KV Magdeburg putzt Patenstolpersteine

für Familien Laufer und Himmelstern

13.11.23 – von Jan Martin Goertz

 

Die in Magdeburg verlegten Stolpersteine erinnern an die Jüdinnen und Juden die zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten in Magdeburg verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Im Frühjahr 2012 wurden vier Stolpersteine für Fanny Laufer, ihre Tochter Ella und die Söhne Moritz und Fritz in der Mühlenstraße verlegt.

BÜNDNIS90/Die Grünen Magdeburg haben im Mai 2023 die Patenschaft für diese vier Stolpersteine übernommen. Am Nachmittag des 10.11.2023 haben Mitglieder des Kreisverbands anlässlich des Jahrestages der Reichsprogromnacht die Stolpersteine in der Mühlenstraße, aber auch jene für Rudolfine Laufer, ihre Tochter Betty und ihren Mann Abraham Albert Himmelstern in der Kleinen Schulstraße geputzt und an das Schicksal der beiden Familien gedacht.

Zu den Personen:
Fanny Laufer, geborene Hus, wird am 22.02.1875 in Eibenschütz (heute Ivanice in Tschechien) geboren. Ab 1904 lebt sie mit ihrem Mann Mendel Bär Laufer (geboren 15.05.1886 in Magdeburg, gestorben 29.07.1922 ebenda) in Magdeburg. Zuvor lebte die Familie in Wien, wo 1894 die Tochter Rudolfine und 1900 der Sohn Moritz geboren wurden, und in Leipzig, wo 1902 der Sohn Fritz geboren wurden. 1913 werden die Zwillinge Ella Ester und Max Mortche geboren.

Mendel Bär Laufer ist Handelsmann und Kaufmann, wobei die Art des Handels unklar ist. Ab 1922 schlägt sich Fanny Laufer mit einem Haustierhandel durch und wird dabei von ihren Kindern unterstützt. Tochter Ella wird später Verkäuferin und die Söhne Kaufleute. Die Familie lebt im Zentrum der Stadt.

1927 wird das einzige bekannte Enkelkind Betty als Tochter von Rudolfine geboren. Fanny Laufer  hilft bei der Erziehung des Kindes und findet für die Familie eine neue Wohnung in der Neustädter Straße 24. 1935 heiratet Rudolfine Laufer den Schuhwarenhändler Abraham Albert Himmelstern und zieht mit ihrer Tochter in eine Wohnung in der Kleinen Schulstraße 25.

1936 wird Sohn Max verhaftet und in das "Braune Haus", der Dienststelle der Geheimen Staatspolizei in Magdeburg, in der Regierungsstraße gebracht. Dort ließ man ihn hungern, beschimpfte ihn und misshandelte ihn schlimm. Im Dezember 1936 gelingt es ihm auszubrechen und über Belgien und Frankreich nach England zu fliehen. Dort überlebt er die NS-Zeit.

Die Söhne Moritz und Fritz fliehen im September 1938 nach Polen. Am 27. Oktober 1938 werden Fanny Laufer und Tochter Ella verhaftet, ins Magdeburger Polizeigefängnis gesperrt und von dort nach Polen abgeschoben. Sohn Max berichtet 1947 dem Vorsteher der Magdeburger Synagogengemeinde, dass seine Mutter und Tochter mehrere Monate in Neubenschen (Zbaszyn) lebten. Das letzte Lebenszeichen kam mit einem Brief vom 27.08.1941, in dem diese berichteten, dass Bruder Fritz etwas zugestoßen sei. Dem Bericht ist ferner zu entnehmen, dass ihm die letzte Adresse des Bruders Moritz unbekannt war und dieser in Thüringen als Kriegsgefangener gewesen sei. Die weitere Spur der vier verliert sich.

Die Familie Himmelstern/ Laufer erlebt den 09.11.1938 in Magdeburg und versucht erfolglos aus Deutschland zu entkommen. Am 13./14.04.1942 werden sie in das Ghetto Warschau deportiert. Von dort sollen sie noch im Sommer in das Vernichtungslager Treblinka gebracht worden und dort ermordet worden sein.

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