Weitere Patenschaft für einen Stolperstein übernommen

BÜNDNIS 90/Die Grünen Magdeburg haben die Patenschaft für den Stolperstein für Adolf Gostl in der Ernst-Reuter-Allee übernommen. Der Stein wurde am 1. Juli 2026 im Rahmen der 47. Verlegung von Stolpersteinen in Magdeburg verlegt.

Adolf Gostl wurde am 10. April 1867 in Wien geboren und besuchte dort die Schule bis zu seinem 14. Lebensjahr. Danach ist er zunächst im Geschäft seines Vaters und dann in einem anderen Wiener und ab 1894 in einem Münchener Konfektionsgeschäft tätig. 1896 heiratet er Fanny Jedlinski und zieht 1900 mit ihr und Tochter nach Straßburg. Dort ist er als Altwaren- und Papierwarenhändler tätig. Etwa 1907 nimmt er in Berlin ein Studium auf, während die Familie in Straßburg bleibt und seine Frau den Betrieb bis mind. 1932 weiterführt.

1911 lässt sich Adolf Gostl in Magdeburg als Chemiker nieder. Ab 1912 ist er als Inhaber eines Demodin-Vertrieb bzw. Werkes in der Kaiserstraße 85 (später Otto-von-Guerickestr.) gemeldet. Gemäß späteren Prozessakten ist Demodin ein Blutreinigungstee, dessen Herstellung und Zusammensetzung sich Gostl patentieren lässt. 1926 zieht er in die Wielandstraße und 1934 in die Kutscherstraße. Ab diesem Zeitpunkt ist das Demodin-Werk aus dem Adressbuch verschwunden.

Die Tochter flieht 1934 nach Palästina und versucht ihm vergeblich eine Ausreise zu ermöglichen. 1937 wird er wegen angeblicher Devisenvergehen, Bestechung und „Rassenschande“ verhaftet und im September verurteilt. Zunächst sitzt er im Gefängnis Magdeburg ein, ab November 1939 im Zuchthaus Coswig ein. Zwischen dem 30. September 1942 und 13. November 1942 wird er zwischen Coswig und Magdeburg hin und her verlegt. Aus den Coswiger Akten gehen schwere Erkrankungen hervor, die Haftunterbrechungen und eine zwischenzeitliche Verlegung in ein Leipziger Krankenhaus nötig machen. Am 25. November 1942 wird er von Magdeburg nach Theresienstadt deportiert und verstirbt dort am 26. Januar 1943.